13.08.2019

Ein bisschen Utopie muss erlaubt sein

Einmal im Jahr laden wir zum Jahrespressegespräch ein. Dann informieren meine Vorstandskollegen und ich über die aktuelle Lage der Genossenschaft und die Themen, die uns bewegen. Da kommt einiges zusammen: Bau- und Modernisierungsprojekte, aktuelle politische Themen, Stadtentwicklung und Kommunalpolitik berühren unsere Arbeit und werden besprochen.

Einen überraschenden Moment gab es diesmal, als wir eine gewagte These laut aussprachen: „Mülheim ist eine schöne Stadt mit vielen lebenswerten Nachbarschaften. Menschen wohnen hier gerne.“ Die anwesenden Journalisten waren erstaunt über so viel Positivität, und schnell entwickelte sich ein gut gelauntes Gespräch darüber, warum das so selten jemand sagt. Denn es ist ja wahr: Bei den vielen kritischen Nachrichten über unsere Heimatstadt wird das Gute zu schnell übersehen. Wie grün, vielfältig und liebenswert Mülheim sein kann, das nehmen die Bürger manchmal gar nicht mehr wahr.

Aus MWB-Sicht ist es jedenfalls kein Wunschdenken, dass die Menschen gerne hier leben: Bieten wir Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäuser zum Verkauf an, dann ist der Andrang groß. Auch bei den Mietwohnungen herrscht spürbar Druck auf dem Markt: Die Leerstandsquote der Genossenschaft ist sehr niedrig. Schrumpfung oder Abwanderung in Mülheim an der Ruhr? Davon bemerken wir jedenfalls nichts.

Natürlich könnte alles immer noch besser sein, und natürlich gibt es auch Herausforderungen. Man darf unterschiedlicher Meinung darüber sein, wie sie gelöst werden sollten. Braucht Mülheim nun neue Sozialwohnungen oder nicht? Wir begrüßen in jedem Fall die Anhebung der Mietenstufe durch das Land und die Tatsache, dass es nun mehr Geld für öffentlich geförderten Wohnungsbau gibt. Für gut gemischte Nachbarschaften, in denen Menschen verschiedener Einkommensklassen gut leben können, ist das wichtig.

So hieß es gerade erst am 13. August in einem lesenswerten WAZ-Kommentar von Lutz Heuken: „Aber auch im Ruhrgebiet gibt es immer mehr Viertel, in denen sich Krankenpfleger oder Erzieherinnen keine Wohnung mehr leisten können […] In diesen Vierteln gibt es am Ende des Prozesses kein ‚gemischtes‘ Bürgertum mehr, sondern fast ausschließlich Besserverdienende […]. Auf dem Wohnungsmarkt ist verdammt viel schief gelaufen.“

Diese Entwicklung ist in Mülheim sicher nicht so schlimm gekommen, wie in anderen, größeren Städten. Aber wir dürfen sie auch nicht ignorieren. Und solche Nachbarschaften tragen schließlich dazu bei, dass Mülheim auch zukünftig grün, vielfältig und liebenswert sein wird. Wir haben uns vorgenommen, darauf auch im Jahrespressegespräch 2020 wieder hinzuweisen wie schön es hier ist, und unsere Positivität beizubehalten.

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